Pfarrei St. Ulrich und Afra, Augsburg

Umbau durch Koulen 1903

Ein schmerzhafter Eingriff in die historische Substanz der Orgel geschah beim Umbau im Jahre 1903. Orgelbauer Heinrich Koulen aus Oppenau konzipierte die Orgel dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend für das romantische Klangideal und erbaute sie nach dem seinerzeit gerade modern gewordenen pneumatischen System (Taschenladen).
Leider wurde von Koulen ein System der Taschenventile entwickelt, welches von vorherein zu erheblichen Störungen führte - wohl einer der Gründe, die ihn später zur Aufgabe seiner Werkstatt zwang. Diese Taschenventile bestehen aus einzelnen fest in die Kanzellen ballonartig eingeleimten Lederstückchen, welche durch den Winddruck gefüllt, sich als Dichtungen unter den Pfeifen befinden. Als großer Nachteil solcher Dichtungen haben sich die Winddurchlässigkeit und der frühe Alterungsprozess, der den Zusammenfall des Drucksystems zur Folge hatte, erwiesen. Diese Störanfälligkeit bei den damals ca. 4000 Taschenventilen hatte im Laufe der Jahrzehnte mehrere große Reperaturen nötig gemacht, die erste bereits im Jahre 1934.
Aus Sicht der Denkmalpflege muss sehr bedauert werden, dass bei den 1903 durchgeführten Arbeiten das Gerüst des historischen Gehäuses in bedenklicher Art beschädigt und teilweise zerstört wurde, um neue, unproportionale Werkteile unterzubringen. Der Gurtrahmen wurde zerschnitten und Holzverstrebungen entfernt, was eine erhebliche Schwächen der Statik bewirkte. Die statische Absicherung wurde von mehreren unschönen Stahlträgern übernommen. Die ohnehin schon in Mitleidenschaft gezogene wertvolle Rückseite wurde dadurch noch mehr verstümmelt. Die Disposition der Orgel war auf 73 Register angelegt. Als Rarität kann die Hochdruckorgel und das Fernwerk angesehen werden.
Aus der Festschrift zur Orgelweihe 1982