In der Sakristei über dem Durchgang zum Hochchor befindet sich eine schöne, mit
Reichsadlern versehene, steinerne Gedenktafel auf der, in lateinischer Sprache,
an die Wahl des Erzherzogs Ferdinand zum römisch-deutschen König erinnert wird.
Noch vor dem für Juni 1653 nach Regensburg einberufenen Reichstag sollte in
Augsburg die Wahl des Erzherzogs Ferdinand zum römischen König vorgenommen
werden. Nach dem bisher üblichen Ritual wurde der Kaiser mit seinem Hofstaat vom
Magistrat der Stadt an der Lechbrücke empfangen und unter dem Schall von Glocken
und Kanonenschüssen durch das Spalier der jubelnden Bevölkerung zu seiner
Wohnung in den Fuggerhäusern geleitet.
Am 31. Mai wählten die Kurfürsten in der
Sakristei des damaligen Benediktinerreichstifts St. Ulrich und Afra den
Kaisersohn zum römisch-deutschen König. Der Neugewählte und sein Vater wurden
nun in feierlichem Zug zur Kirche geführt, um dort das Ergebnis der Wahl zu
erfahren und sich dem Volk vorzustellen.
Die Krönung fand dann allerdings am 18. Juni in Regensburg statt. Ferdinand IV.
konnte sich aber nur kurz an der gewonnen Königswürde erfreuen, er starb schon
im darauffolgenden Jahr im Alter von 21 Jahren an Blattern. Sein jüngerer Bruder
Leopold I. folgte seinem Vater im Juli 1658 als römisch-deutscher Kaiser.
Zum Gedenken an diese Königswahl stiftete Kaiser Ferdinand III. der
Benediktinerabtei einen roten Ornat den sogenannten "Roten Kaiser". Auf Grund
der roten Farbe fand er seine liturgische Verwendung wohl am Pfingstfest und bei
den Apostel- und Martyrerfesten (Hl. Afra!). Auf rotgepreßtem Seidensamt mit
dichtem Blütenornamenten sind altrosafarbene Blumenbuquettes angebracht. An den
Ränder verzieren goldene Borten den Ornat. Im vorigen Jahrhundert wurde der
Ornat durch die Fa. Werner, München, unter Verwendung von zwei Antependien
gebrauchsfähig repariert und besteht heute aus zwei Caseln, Dalmatik, Tunicella,
Pluviale und Kelchvelum.
Roman O. Ludwig