Pfarrei St. Ulrich und Afra, Augsburg

Schatzkammer Sakristei - Weihnachtskrippe

Mit welcher Barbarei in der Säkularisation wertvolles Kulturgut verschleudert wurde, ist bekannt und braucht hier nicht näher untermauert werden. Ironischerweise wurde aber gerade durch die Säkularisation der Pfarrgemeinde St. Ulrich und Afra auf mancherlei Umwegen die reichhaltige Krippe des Augustiner-Chorherrenstifts Polling beschert.
Weihnachtskrippe Als das Kloster Polling im Jahre 1803 aufgehoben wurde, gelangten die vielen Hunderte Alt-Oberammergauer Figuren vom Jahre 1800 in das Kloster Benediktbeuren und nach dessen Auflösung in die Wallfahrtskirche auf dem Hohenpeißenberg. Dort kam sie etwa 1880 unter den Hammer und wurde von einer Bäuerin aus Schongau für mehrere hundert Mark erworben. Diese Frau war die Mutter des nachmaligen Divisionspfarrers und Kaplans bei St. Moritz, GR Josef Schaerfl, der das kostbare Gut mit nach Augsburg brachte, nachdem sein Bruder, Ökonom Ignaz Schaerfl, weder Kosten noch Mühen gescheut hatte, es wieder instand zu setzen.
Ein Schongauer Meister malte dazu einen schönen orientalischen Hintergrund, und die Schwestern von St. Maria Stern kleideten die Figuren neu ein. Ab 1903 stellte Ignaz Schaerfl mehrere Jahre hindurch, mindestens jedoch bis 1906 (1908), die Krippe im nördlichen Seitenschiff der Ulrichsbasilika auf.
Fünfzehn Jahre etwa schlief das Krippendornröschen, bis es im Jahre 1922 dank der Tatkraft Josef Oblingers wieder erweckt wurde. Mit einem heute nicht mehr begreifbaren Aufwand an Zeit wurden in der Folge die vielen Darstellungen von Weihnachten bis Ostern in der Bartholomäuskapelle gestaltet.
Für Reparaturen, zusätzliche Figuren, Hintergründe und Architekturstücke bezahlte Stadtpfarrmesner Josef Künstler allein in den Jahren 1930 bis 1934 die damals stattliche Summe von 2.745 Mark aus der eigenen Tasche. Der damalige Pfarrherr honorierte diesen Idealismus, indem er während der kriegsbedingten Abwesenheit Künstlers eine größere Anzahl von Figuren an die Filialkirche St. Canisius auslieh, wo sie als Teil eines Konglomerats offensichtlich noch immer genügend Ausstrahlungskraft besitzen, um die großen und kleinen Bewunderer zu entzücken. Wir können uns heute glücklich schätzen, dass Mesner Künstler, bevor er in den Krieg einrücken musste, von dem er nicht mehr zurückkam, die Darstellungen durchfotografierte. Diese Bilder haben sich erhalten.
Die künstlerische Qualität der Figuren wird vor allem in den wenigen voll geschnitzten Körpern, beispielsweise des Geißelheilands oder des nackten Bettlers offenbar. In der Gruppe des Mohrentanzes kommt der ganze volkstümlich-barocke Einfallsreichtum zum Ausdruck. Köstlich ist aber auch das schmerzverzerrte Gesicht des Malchus mit dem fehlenden Ohr. Der großartige Tempel, angeblich in Schongau nach einem alten Ursberger Muster gefertigt, nebst allen anderen Architekturen und einem von F. X. Zimmermann gemalten Hintergrund verbrannten im Zweiten Weltkrieg. Die Figuren haben, Gott sei Dank, überlebt.
Ein Teil davon wird seit 25 Jahren jedes Weihnachten von Gartenarchitekt Manfred Roth mit der großartigen Unterstützung durch seine Frau Ansalde aufgestellt. Zu diesem Jubiläum ein ganz herzliches Vergelt’s Gott. Für die kommenden Jahre wünschen wir den Krippenbauern noch viel Spaß und Freude beim Gestalten unserer Weihnachtskrippe.
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Ein beachtlicher Rest von Figuren - und es sind nicht die schlechtesten - erblickt jedoch nie das Licht des Tages, sondern ruht, sorgfältig verpackt in Kisten, und nur der kritische Beobachter stellt schmerzlich Lücken fest, die durch heute schwer durchschaubare Vorgänge in den einstmals so geschlossenen Bestand gerissen wurden. Zur weiteren Renovierung und Ergänzung der St. Ulricher Weihnachtskrippe sind Spenden jederzeit willkommen.
Roman O. Ludwig